Willkommen im fast fertigen Forschungszentrum

Der Besuch von Cathleen und James Stone brachte am ISI ungeahnte Talente zum Vorschein: Menschen, die sonst Vermögensungleichheit erforschen, diskutierten plötzlich über Dübel, Wasserwaagen und Kabelkanäle. Zum Glück stand am Tag der Eröffnung nicht mehr der Akkuschrauber, sondern die Forschung im Mittelpunkt.

Paula Noelle
Oehmig
05 June 2026
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Was man auf den folgenden Fotos nicht sieht: Noch eine gute Stunde bevor die ersten Gäste eintreffen, liegt im Flur ein Hammer. Irgendwo fehlt ein Inbusschlüssel. Vor dem Eingang wird das wenige Tage zuvor montierte ISI-Schild zum letzten Mal geputzt. Drinnen bekommt eine Zimmerpflanze einen Ehrenplatz, draußen diskutieren drei Menschen darüber, ob das Einweihungsband wirklich genau dort hängen sollte.

Die vergangenen acht Wochen waren vermutlich der handwerklichste Abschnitt in der Geschichte des ISI. Menschen, die sonst über Vermögensverteilungen, soziale Mobilität oder Steuerpolitik forschen, entwickelten plötzlich erstaunlich fundierte Meinungen zu Dübeln, Kabelkanälen und der Statik von Billy-Regalen. Wer einen Akkuschrauber bedienen konnte, wurde über Nacht zur gefragten Fachkraft. Wer es nicht konnte, hielt wenigstens die Wasserwaage.

Dabei hatte alles eigentlich schon hinter uns liegen sollen. Die neuen Räume in der Ohmstraße 8 waren nach monatelanger Sanierung endlich bezugsfertig. Jetzt mussten sie in nur acht Wochen zu dem werden, was ein Forschungszentrum mehr braucht als frisch gestrichene Wände: ein Ort, an dem gearbeitet, diskutiert und gedacht wird. Schreibtische wurden aufgebaut, Bücher eingeräumt, Monitore verkabelt, Kaffeemaschinen getestet. Mehrfach.

Denn der Termin stand fest. Cathleen und James Stone, deren großzügige Unterstützung die Gründung des Munich International Stone Center for Inequality Research überhaupt erst ermöglicht hat, hatten ihren Besuch für den 5. Juni angekündigt. Gemeinsam mit Sonja Plesset, Geschäftsführerin der Stone Foundation, reisten sie aus den USA an, um die neuen Räume offiziell einzuweihen. Wenn die Menschen zu Besuch kommen, denen man dieses Zentrum verdankt, möchte man ungern erklären müssen, warum der Besprechungstisch noch in Einzelteilen im Flur liegt.

Am Morgen des 5. Juni weht deshalb noch ein wenig der Geruch von frischer Farbe durch die Flure. Dazu kommen Kaffee, Butterbrezen, Sandwiches und eine erstaunliche Menge Zimtschnecken. Langsam füllt sich der Aufenthaltsbereich mit Gästen, Kolleg:innen und Wegbegleiter:innen des ISI. Aus dem Baustellengefühl der vergangenen Wochen wird Schritt für Schritt eine Eröffnungsfeier.

Vor dem Eingang folgt schließlich der Moment, auf den alle hingearbeitet haben. Gemeinsam mit dem Gründungsteam des ISI, Prof. Dr. Fabian Pfeffer, Dr. Arielle Helmick und Michèle Loetzner, sowie Prof. Dr. Armin Nassehi und Dr. Christoph Mülke als Vertreter der LMU durchschneiden Cathleen und James Stone das Einweihungsband. Es ist ein symbolischer Akt, aber einer mit Bedeutung: Nicht nur neue Büroräume werden eröffnet, sondern ein Ort, an dem Ungleichheit künftig aus unterschiedlichsten wissenschaftlichen Perspektiven erforscht wird.

Dass Interdisziplinarität am ISI keine Floskel ist, zeigt anschließend das Programm. Fabian Pfeffer eröffnet mit einer Visualisierung der Vermögensverteilung in Deutschland und macht eindrucksvoll sichtbar, warum ein Zentrum wie dieses gebraucht wird. Danach geben Dr. Jakob Miethe, Dr. Nhat An Trinh, Clara Löffler, Prof. Dr. Laura Seelkopf und Ph.D. Franziska Disselbacher Einblicke in ihre Forschung und zeigen, wie vielfältig die Fragen sind, die sich unter dem gemeinsamen Dach der Ungleichheitsforschung versammeln.

Auch James Stone richtet das Wort an die Gäste und betont, wie wichtig Orte sind, an denen unterschiedliche Disziplinen gemeinsam über gesellschaftliche Herausforderungen nachdenken.

Nach so vielen Denkanstößen kommt das Mittagsbuffet genau zur richtigen Zeit. Auf der Terrasse entstehen Gespräche zwischen Forschenden, Gästen und Unterstützer:innen. Neue Ideen werden skizziert, Kontakte geknüpft und Pläne geschmiedet. Man kann einen Freitag nach Fronleichnam auf viele Arten verbringen. Am See. In den Bergen. Im Stau Richtung Süden. Oder bei der Eröffnung eines Forschungszentrums für Ungleichheitsforschung. Dass sich so viele Menschen für Letzteres entschieden haben, war für uns vielleicht das schönste Geschenk dieses Tages.

Danke an alle, die mit uns gefeiert, diskutiert und die neuen Räume mit Leben gefüllt haben!

Paula Noelle
Oehmig
Science Communication Assistant